Registration II
Nein, es geht diesmal nicht um meine Registration, ich habe seit heute zwei Stempel in meinem Pass, die belegen, dass ich ordnungsgemaess in Moskau registriert bin. Auch letzte Woche waere ich kaum in Schwierigkeiten geraten, da ich immerhin eine Bescheinigung darueber hatte, dass die Registrierung in Vorbereitung ist. Diejenigen, die wirklich unter diesem "Regime" sind auch nicht westliche Auslaender, die zeitweise in Russland leben. Auch fuer russische Staatsbuerger gilt Registrationspflicht. Und die Registration ist gerade in Moskau, dem Ort mit magischer Anziehungskraft fuer viele Menschen aus den Provinzen und Randgebieten des Landes, schwer zu bekommen. Zumindest kostet es jedes halbe Jahr einen ganzen Arbeitstag und eine fuer Normalverdiener nicht unerhebliche Menge Geld. Reiche Russen koennen es sich leisten einen Bevollmaechtigten in die Schlange zu schicken. Viele verzichten aber einfach auf die Registration und leben illegal in Moskau. Daher laesst sich auch nicht so genau sagen, wieviele Menschen eigentlich in der Stadt leben, sind es neun,zehn, zwoelf oder gar zwanzig Millionen? Wenn ich abends im Gedraenge in den Metrostationen stecke, glaube ich fast an die letzte Zahl! Aber mit Zahlen sollte man vorsichtig umgehen.
Die groessten Probleme haben Menschen, die "oestlich oder kaukasisch aussehen". Man kann in der Metro taeglich beobachten, wie sie von der Miliz abgefangen werden, besonders jetzt nach den Anschlaegen und der Geiselnahme in Beslan, als haetten die Verantwortlichen fuer diese Taten keine Moeglichkeiten, sich saubere Papiere zu besorgen. Hier sind wir schon mitten in der Arbeit meiner Organisation angelangt. Ein bisheriger Hoehepunkt war die heutige Presse-Konferenz zum Thema "Der Nordkaukasus wird sich nicht von Russland abspalten" im Moskauer Independent Press Center, an der unser Chef, ein dagestanischer Publizist und Kim Zagolog, ein ossetischer Ex-General und Ex-Vizeminister fuer Nationalitaetenfragen unter Jelzin, teilnahmen. Letzterer war unabhaengig von seiner Vita ein sehr beeindruckender Redner. Er befuerwortet grundsaetzlich die Loesung von Konflikten im Dialog und sagte er habe sich mehrmals mit dem frueheren tscheteschenischen Praesidenten Dudajew getroffen. Wenn die Regeirung damals mit Dudajew kommuniziert haette, haette es den Tschetschenienkrieg seiner Meinung nach niemals gegeben. Zagolov behauptet, dass es ethnische Konflikte im eigentlichen Sinn gar nicht gibt (ursaechlich sind immer andere Gruende), den Begriff Mentalitaet lehnt er schlichtweg ab. Eine Auffassung, die ich unterstuetze, zumindest dann, wenn es um leichtfertige Begruendungen fuer Konflikte oder politische Entwicklungen wie derzeit in Russland geht. Alle drei waren sich einig, dass eigentlich keines der Voelker im Nordkaukasus wirklich eine Losloesung von Russland will, das Problem werde in den Massenmedien uebertrieben. Das eigentliche Problem liege in der Art und Weise, wie Minderheiten in Russland, insbesondere in Moskau, von Miliz und Behoerden behandelt werden. Bezeichnend, dass sich die Lage in dieser Hinsicht nur noch weiter verschaerfen wird, die Registrationspraxis wandelt sich zu einem regelrechten Regime, mit verstaerkten Hausbesuchen der Miliz, z.T. auf Hinweise aussagewilliger Nachbarn hin. Kontrolle ist halt besser!
Die groessten Probleme haben Menschen, die "oestlich oder kaukasisch aussehen". Man kann in der Metro taeglich beobachten, wie sie von der Miliz abgefangen werden, besonders jetzt nach den Anschlaegen und der Geiselnahme in Beslan, als haetten die Verantwortlichen fuer diese Taten keine Moeglichkeiten, sich saubere Papiere zu besorgen. Hier sind wir schon mitten in der Arbeit meiner Organisation angelangt. Ein bisheriger Hoehepunkt war die heutige Presse-Konferenz zum Thema "Der Nordkaukasus wird sich nicht von Russland abspalten" im Moskauer Independent Press Center, an der unser Chef, ein dagestanischer Publizist und Kim Zagolog, ein ossetischer Ex-General und Ex-Vizeminister fuer Nationalitaetenfragen unter Jelzin, teilnahmen. Letzterer war unabhaengig von seiner Vita ein sehr beeindruckender Redner. Er befuerwortet grundsaetzlich die Loesung von Konflikten im Dialog und sagte er habe sich mehrmals mit dem frueheren tscheteschenischen Praesidenten Dudajew getroffen. Wenn die Regeirung damals mit Dudajew kommuniziert haette, haette es den Tschetschenienkrieg seiner Meinung nach niemals gegeben. Zagolov behauptet, dass es ethnische Konflikte im eigentlichen Sinn gar nicht gibt (ursaechlich sind immer andere Gruende), den Begriff Mentalitaet lehnt er schlichtweg ab. Eine Auffassung, die ich unterstuetze, zumindest dann, wenn es um leichtfertige Begruendungen fuer Konflikte oder politische Entwicklungen wie derzeit in Russland geht. Alle drei waren sich einig, dass eigentlich keines der Voelker im Nordkaukasus wirklich eine Losloesung von Russland will, das Problem werde in den Massenmedien uebertrieben. Das eigentliche Problem liege in der Art und Weise, wie Minderheiten in Russland, insbesondere in Moskau, von Miliz und Behoerden behandelt werden. Bezeichnend, dass sich die Lage in dieser Hinsicht nur noch weiter verschaerfen wird, die Registrationspraxis wandelt sich zu einem regelrechten Regime, mit verstaerkten Hausbesuchen der Miliz, z.T. auf Hinweise aussagewilliger Nachbarn hin. Kontrolle ist halt besser!


